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Natur und Wissenschaft

Veröffentlicht: 17.01.2008

Autor: Fredy Brauchli

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Schlüsselwörter

Garnele Makro Winzlinge

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Geografische Angaben

Breitengrad: 9.1673 / N 9° 10.038'
Längengrad: 123.246002 / E 123° 14.76'

Bilder



Spinnenkrabbe "Xenocarcinus tuberculatus" auf Peitschenkoralle (bis ca. 2,5 cm).


Blasenkorallen-Garnele "Vir philippinensis" (ca. 2 cm).


Orang-Utan Krabbe "Achaeus japonicus" auf Blasenkoralle (ca. 2 cm).


Gehörnte Partnergarnele "Periclimenes cornutus" auf Federstern (bis ca. 2 cm).


Federstern-Springkrebs "Allogalathea elegans" (bis ca. 2 cm).


Federstern-Saugfisch (bis ca. 4 cm).


Schleierbäumchen-Spinnenkrabbe "Hoplophrys oatesii" auf Weichkoralle (bis 1,5 cm).


Harlekin-Geisterpfeifenfisch (Fetzengeisterpfeifenfisch), in der Färbung „seiner“ Weichkoralle angepasst (bis 10 cm).


Schleierbäumchen-Spinnenkrabbe "Hoplophrys oatesii" auf Weichkoralle aus der Nähe (bis 1,5 cm).

Videos

Soziale Lesezeichen



Peitschen-Zwerggrundel auf Peitschenkoralle (ca. 2 cm).

Peitschen-Zwerggrundel auf Peitschenkoralle (ca. 2 cm).

Winzig klein und unauffällig

Taucher mit einem „Makro-Blick“ können im viele Winzlinge entdecken. Federsterne, Peitschen-, Draht- und andere Korallen beherbergen die teils skurril wirkenden Tiere.

Die vorliegende Reportage beabsichtigt, winzig kleine, in symbiotischer Beziehung lebende Tiere zu dokumentieren, um sie erfahrenen Taucherinnen oder Tauchern vielleicht als neue Studienobjekte aufzuzeigen. Nicht selten ist man bereits durch die Farben- und Formenvielfalt von Korallen, Federsternen usw. derart fasziniert, dass ein genaueres Betrachten unterbleibt. Eigentlich schade, ermöglichen doch gerade die beinahe verborgenen Lebensgemeinschaften immer wieder interessante Entdeckungen und Beobachtungen. Ergänzend zu früheren Publikationen werden diesmal Symbiosen mit ganz bestimmten Wirtstieren dokumentiert.

Winzlinge auf Peitschen- und Drahtkorallen

Die wohl bekannteste Lebensform von Schmarotzern auf Peitschen- und Drahtkorallen stellen die Drahtkorallen-Garnelen dar. Daneben existieren auch weniger bekannte, für Makro-Fotografen dafür umso lohnenswertere Symbiosen. Als erstes Beispiel sei die kaum 20 mm grosse Peitschen-Zwerggrundel erwähnt. Sie lebt im Indopazifik und tarnt sich farblich perfekt auf den erwähnten Korallenwirtstieren. Ihren Standort wechseln die teilweise transparenten Tiere bei drohender Gefahr blitzschnell, sehr zum Leidwesen der UW-Fotografen.

Von der Erscheinung her gehört mit Sicherheit die bis 2,5 cm grosse Spinnenkrabbe Xenocarcinus tuberculatus zu den skurrilsten Tieren auf Draht- und Peitschenkorallen.

Scheue Untermieter auf Blasenkorallen

Wie es bereits ihr Name zum Ausdruck bringt, leben die Blasenkorallen-Garnelen ausschliesslich auf dieser einen Steinkorallenart. Äusserst filigran und weitgehend transparent sitzen diese Garne-len zwischen den tagsüber ausgestülpten, blasenartigen Polypen.

Meistens - aber nicht ausschliesslich - auf Blasenkorallen findet man eine unter ihrem populären Namen Orang-Utan Krabbe bekannte Krebsart. Sie kann man anhand ihrer langen Haare und ihrer leuchtend roten Augen gut von anderen Krabben unterscheiden. Beide Bewohner der Blasenkorallen werden nicht grösser als 2 cm und verschwinden - wenn sie sich bedroht fühlen - schnell einmal in den schützenden Zwischenräumen.

Federsterne – beliebte Wirtstiere

Inmitten der zuweilen sehr farbenprächtigen Federsterne finden verschiedene Tierarten einen sicheren Lebensraum. Alle diese Tiere weisen eine weitere Gemeinsamkeit auf: Sie passen sich farblich perfekt an ihr Zuhause an und schützen sich damit wirkungsvoll. Die winzigen Partnergarnelen, welche auf den Armen der Feder- und Haarsterne leben, ebenso wie Federstern-Springkrebse, können nur bei geduldiger Beobachtung entdeckt werden. Beide Gattungen stibitzen den Federsternen übrigens von der eingefangenen Plankton-Nahrung.

Jedoch nicht nur Garnelen- und Krebse können inmitten von Federsternen aufgestöbert werden. Im Pazifik findet man die bis maximal 4 cm grossen Federstern-Saugfische. Zieht der Federstern allerdings seine Arme ein, dann verstecken sich die in der Regel paarweise lebenden Saugfische darunter.

Zu wahren Meistern der Tarnung können die ebenfalls gerne in Federsternen oder Weichkorallen lebenden Fetzen- oder Harlekin-Geisterpfeifenfische gezählt werden. Sie schwimmen in ihrer typischen Haltung kopfüber und sind öfters nicht auf Anhieb erkennbar.

Wie Blüten auf Weichkorallen

Ganz besonders putzige kleine Bewohner finden sich auf den beliebten, farbigen Weichkorallen. Mit bis zu 1,5 cm Grösse sind die Schleierbäumchen-Spinnenkrabben in ihrem Lebensraum kaum sichtbar. Dies deshalb, weil sie sich von den Tentakeln der Weichkorallen ernähren, deren Farben annehmen und dadurch eine perfekte Tarnung erzielen. Hat man jedoch eine dieser Spinnenkrabben entdeckt, so kann man sie genau studieren. Ihre Bewegungen sind langsam und bedächtig, was den UW-Fotografen sehr gelegen kommt. Allein das Scharfstellen erfordert bei den gegebenen Grössenverhältnissen einiges an Übung. Doch dafür entschädigt später meistens das Ergebnis.