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Natur und Wissenschaft

Veröffentlicht: 23.01.2008

Autor: Fredy Brauchli

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Der max. bis 8 cm gross werdende Schmetterer "Odontodactylus latirostris" passt sich farblich perfekt an seinen Lebensraum an.


Der unter Tauchern wohl bekannteste, sehr bunte Pfauen-Fangschreckenkrebs hat mit seinen Keulen schon manche UW-Kamera zerstört.


Die charakteristisch runden Augen eines Schmetterers.


Die Augen der Speerer sind erdnussförmig und verhältnismässig gross.


Das Fangbein des Schmetterer kommt in geschlossenem Zustand - einer Keule gleich – zum Einsatz.


Speerer spiessen ihre Beute mit den Dornen des aufgeklappten Fangbeins auf.


Zu den kleinsten Schmetterern gehört die weniger als 3 cm grosse Art "Gonodactylellus lanchesteri".


Der Lebensraum des wenig scheuen Speerer "Lysiosquillina lisa" erstreckt sich von den Malediven bis zum westlichen Pazifik.


Der Speerer "Lysiosquilla tredecimdentata" ist ein typischer, meistens paarweise in Höhlen lebender Geröllbewohner.


Trotz ihrer auffälligen Farbe wurde die in Indonesien und auf den Philippinen heimische Art "Lysiosquilloides mapia" erst vor wenigen Jahren bestimmt.

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Der Schmetterer "Odontodactylus scyllarus" bringt sein Gelege, das aus bis zu 50'000 Eiern bestehen kann, an einen neuen sicheren Ort.

Der Schmetterer "Odontodactylus scyllarus" bringt sein Gelege, das aus bis zu 50'000 Eiern bestehen kann, an einen neuen sicheren Ort.

Fangschreckenkrebse - Blitzschnelle Räuber

Fangschreckenkrebse können ihre Beute innert wenigen Millisekunden erlegen. Sie haben sensationelle, auf Stielen sitzende Komplexaugen.

Den Populärnamen Fangschreckenkrebs verdanken die Tiere der grossen Ähnlichkeit ihrer unter dem Kopf zusammengefalteten Fangbeine mit jenen der an Land lebenden Gottesanbeterinnen. Die Wissenschaft bezeichnet die Ordnung als Maulfüssler oder Stomatopoden (stoma gr. = Mund; podus gr. = Fuss). Sie gehören zur Klasse der Höheren Krebse und die bekannteste der rund 400 Arten ist zweifelsohne der Bunte oder Pfauen-Fangschreckenkrebs.

Merkmale der Fangschreckenkrebse

Stomatopoden leben meist in den küstennahen Regionen der tropischen und subtropischen Gewässer, entweder unter Korallenfelsen oder in selbst gegrabenen Höhlensystemen im Sand. Ihre Körpergrösse variiert von 1 cm bis zu ca. 35 cm. Die Tiere verfügen über einen stark betonten und sehr beweglichen Hinterleib mit einem kräftigen Schwanzfächer. Am lang gestreckten Körper sitzt zuvorderst ein Beinpaar, das als Putzorgan dient. Danach folgt das Keulen- oder das mit Stacheln besetzte, blitzschnell einsetzbare Scherenpaar; gefolgt von drei Paar Beinen, die als Fangarme zum Festhalten der Beute dienen. Diese insgesamt 5 Paare von Scherenbeinen sind unter einem flachen Rückenschild geschützt. Ausserdem existieren noch 3 Paar Lauf- und 5 Paar Schwimmbeine, welche zusammen mit dem gepanzerten Schwanzfächer den auffällig langen Hinterleib bilden. Stomatopoden verfügen über ungewöhnlich grosse, auf Stielen sitzende Komplexaugen und werden funktionell in die Gruppen der Schmetterer und Speerer unterteilt.

Hoch entwickelte Komplexaugen

Unter den Krebstieren verfügen die Stomatopoden über die am höchsten entwickelten Augen. Die gelenkigen, gestielten Augen bestehen aus je bis zu 10'000 hoch auflösenden und sehr lichtstarken Einzelelementen. Dank einem in der Augenmitte liegenden Querband wird ein Objekt von drei verschiedenen Regionen aus gesehen. Mit Hilfe von zwei Analysatoren ist es den Tieren möglich, eine Beute anzupeilen, eine exakte Distanzbestimmung vorzunehmen und sie dadurch optimal zu erlegen.
Gemäss Debelius sind die meisten Speerer nachtaktive Lauerräuber, die keine Farben erkennen, hingegen bei minimalem Licht noch gut sehen können. Die meist tagaktiven Schmetterer sollen dagegen dank mindestens 10 Sehpigmenten (im Gegensatz zu 3 beim Menschen) und mehreren Farbfiltern ein äusserst differenzierteres Sehvermögen besitzen.

Blitzschnelle Reaktion mit den Fangbeinen

Während Speerer mit ausgestrecktem Fangbein zuschlagen und ihre Beute mit den Dornen besetzten Beinen aufspiessen, erschlagen Schmetterer ihre Beute mit dem geschlossenen, zu einer Keule verdickten Fangbein. Beide Reaktionen erfolgen blitzschnell, d.h. innert ca. 3 Millisekunden. Dies entspricht einer Beschleunigung von 100 m pro Sekunde und erzeugt winzige Gasbläschen, die implodieren. Der Aufprall ist dann so stark, dass die Opfer betäubt oder die Schalen und Panzer von Meerestieren zertrümmert werden.

Sozialverhalten und Intelligenz

Stomatopoden sind intelligent und verfügen über komplexe Verhaltensweisen, bspw. verwenden sie fluoreszierende Muster und wimpelartige Fortsätze am Kopf um zu kommunizieren. Ihr hoch entwickeltes Sozialverhalten ist bei Territorialkämpfen erkennbar. Ausserdem verfügen sie über ein bemerkenswertes Erinnerungsvermögen. Aquarianer berichten, dass ein Fangschreckenkrebs noch nach Jahren das Gesicht des früheren Pflegers wieder erkenne und dass man den Tieren kleine Kunststücke beibringen könne.

Jagdverhalten und Beute

Die nachtaktiven Speerer erbeuten die Opfer von ihrer Höhle im Sand aus, indem sie ihrer Beute auflauern und blitzartig zuschlagen, wobei sie mit dem Endsegment des Fangbeins von unten her Fische, Garnelen und Kopffüssler aufspiessen.
Im Gegensatz dazu gehen Schmetterer tagsüber auf Jagd. Zu ihrer bevorzugten Beute gehören hartschalige Meeresbewohner wie Einsiedlerkrebse, Muscheln, Schnecken und Krabben. Mit dem nur kaum noch gezähnten Fangbein, das durch Kalkeinlagerungen an der Basis keulenartig verstärkt ist, werden Beutetiere buchstäblich erschlagen und zertrümmert. Dabei ist die erwähnte Fähigkeit, Distanzen genau abzuschätzen, für ihren Erfolg von grösster Bedeutung.

Kleine Warnung

Abschliessend seien vor allem fotografierende Taucher gewarnt, den Bunten Fangschreckenkrebs zu bedrängen. Wenn sich ein solcher angegriffen fühlt, kann es durchaus sein, dass er sein Schmetterorgan zur Verteidigung einsetzt. Damit ist er ohne weiteres in der Lage, die Frontscheibe einer UW-Kamera zu zertrümmern oder den Finger eines Tauchers zu brechen.