Reise
Veröffentlicht: 27.12.2007
Autor: Fredy Brauchli
Bewertung
[ 4.5 | 2 Benutzer ]
Schlüsselwörter
Geografische Angaben
Breitengrad: 9.22167 / N 9° 13.3'
Längengrad: 123.286003 / E 123° 17.16'
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Der „Grosse“ Pier.
Der Pier von Bacong
Nahe von Dauin, im Herzen der Visayas, befindet sich der Pier von Bacong. Über die Jahre sind die Pfeiler des Piers mit einer unglaublichen Vielfalt an marinem Lebewesen überzogen worden.
Die Hafenanlage dient einem Kokosnussöl produzierenden Unternehmen in der Gemeinde Bacong, südlich von Dumaguete, der Hauptstadt von Negros Oriental. Vom grosszügigen Pura Vida Resort in Dauin aus sind wir in 10 Minuten mit dem Boot vor Ort. Nur wenn keine grossen Schiffe be- oder entladen werden, darf mit Voranmeldung und besonderer Bewilligung vom Manager am Pier getaucht werden. Die Taucher müssen mindestens eine Advanced- oder T**-Ausbildung vorweisen, um schonenden Umgang mit dem unglaublich vielfältigen Bewuchs gewährleisten zu können.
Wichtig ist korrektes Tarieren
Das Meer ist Anfang Juli 2005 ruhig und gegen 30 Grad warm. Es weht lediglich ein leichter Wind, die Sichtweite liegt bei mehr als 20 Metern – also beste Bedingungen, um den Pier zu betauchen. Die Bewilligung hat der Manager unter der Bedingung erteilt, dass er uns begleiten und sich vom schonenden Umgang der Taucher mit dem unglaublich vielfältigen Bewuchs überzeugen kann. In kleinen Teams, aufgeteilt nach taucherischer Erfahrung, wird der Tauchgang in Angriff genommen, wobei der Manager diejenigen Taucher mit der geringsten Erfahrung begleitet. Als wir nach wenigen Metern in die mystisch wirkende Szenerie eintauchen, wird mit einem Mal klar, warum hier soviel Wert auf korrektes Tarieren gelegt wird. Jeder der unzähligen Pfeiler ist vom ersten bis zum letzten Meter mit zuweilen skurril wirkendem, empfindlichem Bewuchs überzogen. Kein Plätzchen scheint mehr für neues Leben frei zu sein.
Raritäten im Seegras
Mike, einer unserer Tauchguides, hat im Vorfeld darauf hingewiesen, dass es empfehlenswert sei, den Tauchgang im Seegras vor den eigentlichen Pfeilern zu beginnen, weil es dort immer wieder Raritäten zu entdecken gibt – Seepferdchen oder eine Flammensepia beispielsweise. An den Säulen des „Kleinen“ und des „Grossen“ Piers sollten wir uns erst nach 10 Minuten verteilen, um auf Entdeckungsjagd zu gehen. Und tatsächlich, dem geübten Blick der begleitenden Guides entgeht weder ein winziger Flammensepia noch ein grosses schwarzes Seepferdchen im Seegras auf rund 23 Meter Tiefe.
Die Zeit verrinnt so schnell,...
dass wir daran erinnert werden müssen, uns nun zum eigentlichen Pier zu begeben. Was wir jetzt erblicken, übertrifft die kühnsten Erwartungen. Zwischen den Pfeilern tummeln und versuchen sich Sepias zu verstecken. Dort schaut eine Sternfleckenmuräne neugierig aus ihrer Behausung und der Bewuchs an den einzelnen Stützen wird in seiner gesamten Schönheit und Vielfalt erkennbar. Sehr gemächlich umrunden wir – immer auf den gebotenen Abstand bedacht – die Pfeiler und gleiten ihnen entlang langsam nach oben. Zwischen den herrlichen, meist rot gefärbten Weichkorallen und den Schwämmen entdecken wir mehrere Anglerfische, mal einen in grau, einen in orange, dann einen schwarzen. Irgendwie glaubt man sich auf einem anderen Stern. Zwischen lichtdurchfluteten Pfeilern patrouillieren Fledermausfische und im offenen Wasser schweben Schnepfenmesserfische vorüber. Wo soll man bloss hinsehen? Eine hübsch postierte Nacktschnecke zieht unseren Blick wieder an den überschäumend reichen Bewuchs der Pfeiler. Da, inmitten eines Strausses gelber Gorgonien, tummeln sich einige Igelfische und beobachten die blubbernden Wesen aus der Oberwelt. Ein Blick auf die Konsole bestätigt uns, dass es Zeit wird, in den Zehnmeterbereich der Stützpfeiler hochzusteigen. Immer mehr Licht zeigt uns nun auch ohne Einsatz von Lampen die Farbenpracht des Korallen- und Schwammbewuchses.
Alle freuen sich auf den nächsten Besuch!
Als wir nach einer Stunde wieder Frischluft atmen, herrscht eine fast euphorische Stimmung bei jenen Tauchern, die hier vorher noch nie tauchten. Andere wiederum träumen in Gedanken versunken vor sich hin. Auf der Rückfahrt zum Resort lassen wir den soeben erlebten Tauchgang in unserer Erinnerung nochmals dankbar, beinahe ungläubig Revue passieren. Keiner unter uns, der sich nicht auf den nächsten Besuch am Pier freut.












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