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Natur und Wissenschaft

Veröffentlicht: 18.01.2008

Autor: Fredy Brauchli

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Schlüsselwörter

Korallen Symbiose

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Geografische Angaben

Breitengrad: 4.267 / N 4° 16.02'
Längengrad: 72.989197 / E 72° 59.352'

Bilder



Westpazifische Clownfische leben in Symbiose mit der Prachtanemone.


Farblich hervorragend abgestimmte Garnele auf einer Seewalze.


Solarbetriebene Nacktschnecke "Pteraeolidia ianthina".


Mit Anemonen dekorierter Einsiedlerkrebs.


Blasenkorallen-Garnele beim Entfernen eines Sandkorns

Videos

Soziale Lesezeichen



Anemonenfisch in stressgefärbter Prachtanemone (z. Zt. des Coral Bleaching 1998).

Anemonenfisch in stressgefärbter Prachtanemone (z. Zt. des Coral Bleaching 1998).

Symbiose und Kommensalismus

Verbindungen unterschiedlicher Lebensformen sind oft das Überlebensgeheimnis der Riffe. Auch im Kleinen sind derartige Vergesellschaftungen lebensnotwendig.

Im letzten Beitrag wurden einzelne Formen von Parasitismus und die von der Natur zur Abwehr geschaffenen Abwehrmechanismen durch sog. Mutualismus beschrieben. Die vorliegende Folge stellt somit eine logische thematische Fortsetzung dar, indem Vergesellschaftungen von jeweils zwei artverschiedenen Organismen aufgezeigt werden, aus denen mindestens einer der beiden einen Nutzen zieht, ohne dass der andere Partner geschädigt wird.
Unter dem Begriff „Symbiose“ versteht man heutzutage Partnerschaften von unterschiedlichen Organismen, die beiden Seiten Vorteile bringt. Demgegenüber werden Verbindungen zweier artverschiedener Lebensformen, aus der nur ein Partner Nutzen zieht, ohne dass der andere geschädigt wird, als „Kommensalismus“ oder „Probiose“ bezeichnet. Die weitaus bekannteste Form der Symbiose im marinen Bereich stellt jene der Seeanemonen mit Fischen oder anderen Tieren dar.

Überlebensstrategie der riffbildenden Korallen

Bekanntermassen bestehen Korallenriffe aus immensen Ansammlungen von Korallenpolypen. Im Laufe von Jahrhunderten haben sie die gigantischen Bauwerke inmitten der Ozeane geschaffen. Dies jedoch nur dank einer äusserst raffinierten Form der Symbiose. Die Korallenpolypen lagern in ihrer innersten Schicht einzellige Algen (sog. Zooxanthellen). Diese übernehmen die Funktion von Solarzellen. Sie wandeln die Energie des Sonnenlichts durch Photosynthese in chemische Energie um und produzieren für die Korallenpolypen Nährstoffe wie Zucker, Fette und Sauerstoff. Letzterer wird von den Korallentieren zur Atmung benötigt. Das ebenfalls notwendige Kohlendioxid kommt dagegen in gelöster Form im Meerwasser vor. Damit jedoch die Algen ihrerseits die Photosynthese betreiben können, benötigen sie Stickstoff und Phosphat. Beides erhalten sie aus Stoffwechselvorgängen der Korallenpolypen. Somit profitieren beide Lebensformen vom anderen Symbiosepartner.

Lebensbedrohende Gefahr für die Symbiosepartner

Einen entscheidenden Nachteil besitzt jedoch diese Form der Symbiose: Die Korallen sind auf die Algen (Zooxanthellen) angewiesen. Wenn sich das Meer zu stark erwärmt, bspw. durch meteorologische Phänomene, so kann dies lebensbedrohend werden. Die Algen stellen die Photosynthese als Folge des Temperaturanstiegs ein, was wiederum zur lebensbedrohenden Gefahr für die Korallenpolypen wird, weil die Zooxanthellen abzusterben drohen. Die todkranken Riffe können grossflächig ausbleichen und sterben. Ganz ähnlich ergeht es den Muscheln (bspw. Riesenmuschel Tridacna) und Anemonen, welche dieselben Algen wie die Korallen eingelagert haben.

Nacktschnecken mit Solarantrieb

Geradezu futuristisch nutzt eine Fadenschneckenart die Solarenergie. Sie verzehrt Korallen, welche einzellige Algen (Zooxanthellen) eingelagert haben. Jedoch werden diese Algen nicht verdaut, sondern auf bisher unbekannte Art und Weise als komplette Zellen im eigenen Körper der Nacktschnecke aufgenommen. Die Einlagerung erfolgt in den verzweigten Körperanhängseln der Nacktschnecke, wo die Algen weiter existieren und Photosymbiose betreiben können. Die Schnecke selbst profitiert, wie die Korallenpolypen, von den Stoffwechselprodukten. Dies geht so weit, dass diese Nacktschnecke über sehr lange Zeit gar keine andere Nahrung mehr aufnehmen muss, sondern allein vom Solarbetrieb ihrer Algen-Symbiosepartner existieren kann.

Symbiose zwischen Einsiedlerkrebs und Seeanemone

Eine für den Betrachter immer wieder attraktive Form der Symbiose ist jene zwischen Einsiedlerkrebs und Seeanemone. Einsiedlerkrebse verwenden leere Schneckengehäuse zum Schutz und setzen sich oft eine oder mehrere nesselnde Seeanemonen auf ihr Haus, um sich gegen Feinde zu schützen. Im Gegenzug kann die Anemone von Nahrungsresten des Einsiedlerkrebses profitieren.

Garnelen als Putzer von Seewalzen, Muscheln und Korallen

Bestimmte Krebsgattungen, welche nicht auf Putzerstationen leben und Fische säubern, hausen auf Seewalzen, Muscheln, Anemonen und Korallen. Entweder profitieren diese Garnelen von einer guten farblichen Tarnung oder vom Schutz der nesselnden Tentakel ihres Wirts. Ihre Gegenleistung erbringen sie als Putzer. In dieser Funktion befreien sie vor allem Anemonen und Korallen von Fremdkörpern, wie Sand oder Muschelreste.